Lydia Schauß Keine Kommentare

Changemaker Tobias Langmeyer über Vielfalt und Fachkräftegewinnung

Im Rahmen des Projektes FEMtential wurden Interviews mit Männern geführt, die sich für Frauen in der IT und Chancengleichheit engagieren und als Changemaker hier von Ihren Erfahrungen berichten. Hier berichtet Tobias Langmeyer von der dc AG

CHANGEMAKER-STECKBRIEF:

Name: Tobias Langmeyer

Position: CEO und Gründer

Unternehmen: dc AG

Branche: Die dc AG ist Softwarehersteller, Digitalagentur und Beratung für Business Prozesse mit digital Know-how.

Standort: Kulmbach, Bayern

Beschäftigte: ca. 100 Beschäftigte

Motivation, sich für Chancengleichheit einzusetzen:
„Wenn wir im reinen Entwicklungsbereich 50 Entwickler haben, haben wir darunter zwei Entwicklerinnen. Ich finde, das sollte sich ändern. Wir glauben als Unternehmen und ich glaube daran, dass Teams, die divers in allen Bereichen sind, besser, effizienter, performanter und kreativer arbeiten.“

Gemischte Teams oder Nerds?
„Teams funktionieren besser, wenn da unterschiedliche Charaktere, Perspektiven, Altersgruppen und Geschlechter zusammenkommen – und nicht nur so ein ganz homogenes Bild. Klar, das Klischee vom Nerd, der Gaming liebt und zwischendurch codet, stimmt manchmal schon ein bisschen – aber eben nicht nur bei Männern. Es gibt genauso weibliche Nerds.“

Woran glaubst du, liegt dieses Ungleichgewicht?
„Wenn du in so einer klassischen Männerdomäne bist, wird halt oft über typische Männerthemen gesprochen – und dann kriegt das Ganze schnell diesen Nerd-Klischee-Charakter. Da fühlen sich Frauen vielleicht weniger angesprochen. Dabei gibt’s richtig gute Programmiererinnen. Wenn dir logisches Denken und Technik liegen, ist das nicht nur spannend, sondern auch gut bezahlt – mit richtig guten Arbeitsbedingungen. Bei uns können die Entwickler arbeiten, wann und wo sie wollen. Also ich denke, das ist ein toller Beruf. Aber wenn wir 100 Bewerbungen für Entwickler kriegen, dann sind nicht mehr als vier bis fünf Prozent Frauen dabei.“

Was tut ihr bei euch im Unternehmen für mehr Chancengleichheit?
„Chancengleichheit ist bei uns Teil der Unternehmenskultur. Unter dem Motto Motto “d stands for diversity” (das ‚d‘ im Firmennamen – Anmerkung der Redaktion) machen wir das Thema sichtbar, z. B. mit dem jährlichen Diversity Day oder internen Aktionen. Gleichzeitig unterstützen wir Programme wie ScienceFem von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, um junge Frauen für Technik zu
begeistern. Und im Alltag achten wir z. B. darauf, dass bei Bewerbungsgesprächen immer auch jemand vom passenden Geschlecht dabei ist. Damit es nicht passiert, dass eine Entwicklerin im Bewerbungsgespräch allein mit drei männlichen Kollegen von uns zusammensitzt.“

Transparentes Gehalt
„Eine ganz wichtige Sache zum Thema Chancengleichheit: Wir haben transparentes Gehalt. Dadurch ist es zumindest im gleichen Bereich definitiv ausgeschlossen, dass es da Unterschiede gibt. Es gibt auch keine geheimen Verhandlungen bei uns, sondern es ist alles transparent und jeder weiß, was der oder die andere verdient.“

Wie geht es bei euch im Unternehmen weiter mit den Themen Vielfalt und Chancengleichheit?
„Auch wenn es gerade Gegenwind gibt – vor allem aus den USA – bleiben wir bei Diversity voll dran, weil es einfach zu unseren Werten gehört. Und auch beim Thema New Work bleiben wir klar: Du arbeitest, wann und wo du willst. Wir sagen ganz bewusst: Jetzt erst recht! Und ich habe das Gefühl, das kommt im Team gut an und macht allen Spaß.“

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Potenziale von Frauen im IT-Bereich ausschöpfen – Fachkräftelücke schließen

Die digitale Transformation verändert unser Leben grundlegend – von der Art, wie wir kommunizieren, arbeiten und lernen, bis hin zu den Möglichkeiten, wie wir als Gesellschaft zusammenleben. Eine digitale Gesellschaft bedeutet nicht nur technologischen Fortschritt, sondern vor allem auch die Chance auf mehr Teilhabe, Bildung und Chancengerechtigkeit. Damit diese Chancen genutzt werden können, müssen alle Menschen unabhängig von ihrem Alter, ihrer sozialen Herkunft oder ihrem Wohnort in die Lage versetzt werden, die digitale Welt aktiv mitzugestalten.

Eine chancengerechte digitale Gesellschaft bedeutet nicht nur eine aktive Teilhabe und Mitgestaltung aller ihrer Mitglieder, sondern auch die größtmögliche Nutzung ihres wirtschaftlichen Potenzials. Mit einem Anteil von nur 18 Prozent weiblicher Fachkräfte in der deutschen IT-Branche (Destatis 2024) bleibt das Potenzial von Frauen in der IT noch weitgehend ungenutzt. Gerade die IT-Branche zeichnet sich durch innovative und flexible Arbeitsmodelle aus, die stärker herausgestellt und gefördert werden müssten, um die Attraktivität dieses Arbeitsumfelds für Frauen sichtbarer zu machen. Ein Fokus sollte auf die besondere Vereinbarkeit von Familie und Karriere in der IT-Branche gelegt werden, um Frauen zu gewinnen, langfristig zu halten und den Ausbau von weiblichen Führungskräften zu fördern.

Um zeitnah dem Arbeitsmarkt aktuell zur Verfügung stehende weibliche Fachkräfte in die IT-Branche zu integrieren, müssen niedrigschwellige Formate zur Unterstützung eines gezielten Kulturwandels in KMU entwickelt werden. Hierfür böte sich der Aufbau einer zentralen Anlaufstelle für alle IT-Frauen-Initiativen an. Somit kann eine bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe in allen Unternehmensgrößen erzielt werden und in überbetrieblichen Netzwerken Expertise und Ressourcen zum Onboarding, Mentoring und Empowerment von Frauen in der IT gebündelt werden.

Handlungsempfehlungen:

  • Sichtbarmachung und Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der IT-Branche
  • Aufbau einer Anlaufstelle für den überbetrieblichen Aufbau von Netzwerken zur gezielten Integration von Frauen in KMU

Auszug aus dem BITMi-Positionspapier zur Bundestagswahl 2025 „IT-Mittelstand im Fokus: Innovation und digitale Souveränität – made in Germany“.

 

Unser Projekt FEMtential setzt hier an und bietet den teilnehmenden Frauen u.a. Empowermenttrainings, ein Mentoringprogramm und Mastermindgruppen.

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BITMi-Umfrage: Frauen in der IT-Branche

Aachen/Berlin, 21. November 2023 – Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) veröffentlichte heute seine Umfrageergebnisse über „Frauen in der IT-Branche – Fachkräfte, Diversität, Bindung und Förderung weiblicher IT-Fachkräfte“, die im Rahmen des Projekts FEMtential – Weibliche Potentiale im IT-Mittelstand fördern durchgeführt wurde. Die IT-Branche in Deutschland erlebt einen Wandel, in dem Frauen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Die Herausforderungen in Bezug auf Fachkräftemangel, Chancengleichheit und gezielte Förderprogramme prägen dieses dynamische Szenario. Die Umfrageergebnisse geben u.a. Aufschluss darüber, wie die Lage in der mittelständischen IT-Branche aussieht, wie hoch der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist, ob Maßnahmen zur Förderung von Frauen angenommen werden, wie sich verschiedene Arbeitszeitmodelle auswirken und wo Potentiale und Bedarfe bestehen.

  • 83 Prozent möchten mehr Frauen im IT-Bereich beschäftigen.
  • 61 Prozent der Unternehmen fehlen Frauen als Bewerberinnen.
  • Knapp 30 Prozent sehen hohen bzw. sehr hohen Handlungsbedarf beim Recruiting.
  • Nur acht Prozent der Unternehmen bieten konkrete Förderungsangebote.

Bei den Umfragen gab es 243 Teilnehmende, die mit ihren Antworten einen guten Einblick in die aktuelle Situation in der mittelständischen IT-Branche boten. Immer mehr Unternehmen setzen auf inklusive Unternehmenskulturen, die Diversität schätzen und fördern. Dies wird durch gezieltes Employer Branding zum Ausdruck gebracht. Für 60 Prozent der Befragten stehen die Vorteile von vielfältigen Teams im Vordergrund, da diese innovativer und leistungsfähiger sind. Der anhaltende Fachkräftemangel in der IT-Branche ist ein drängendes Problem, bei dem Frauen eine wichtige Rolle spielen können, um diese Lücke zu schließen. 52 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Frauen einsetzen möchten, um ihren Fachkräftebedarf zu decken. Es geht also nicht nur um Gleichberechtigung, sondern auch um wirtschaftliche Vernunft, Frauen in der IT zu fördern. Allerdings besteht derzeit ein Mangel an potentiellen weiblichen IT-Fachkräften, so 61 Prozent der Befragten. „Es braucht Menschen, die nach links und rechts schauen – Frauen sind hier ein Riesenpotential“, ist Nele Kammlott, BITMi-Vorständin und Unternehmerin, überzeugt.

In einer Branche, die von Innovation und Technologie geprägt ist, ist Vielfalt von unschätzbarem Wert. Die Förderung von Geschlechtervielfalt in der IT-Branche ist nicht nur ein ethisches Gebot, sondern auch eine strategische Entscheidung, um langfristigen Erfolg, digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Die Broschüre “Frauen in der IT-Branche” finden Sie hier.

Sie haben Fragen? Dann wenden Sie sich gern an Daniela Kozian, FEMtential-Projektleiterin, unter: daniela.kozian@bitmi.de.