Diagramme mit Kernerkenntnissen der Umfrage: Die Anzahl der Unternehmen mit über 10% unbesetzten IT-Stellen hat sich fast halbiert. Ursachen sind die Wirtschaftslage, Budgetkürzungen bei Kunden, Umstrukturierung und Effizienzgewinne durch KI. Top 3 gesuchte Jobs sind IT-Support, Systemadmin und IT-Projektmanager. Top 3 gesuchte Skills sind Kommunikation und Kundenverständnis, Deutsch und IT-Security
Isabel Weyerts
  • Der IT-Fachkräftemangel wird aktuell von der herausfordernden wirtschaftlichen Situation überschattet.
  • Fachkräftemangel existiert in entschärfter Version weiterhin, doch fehlt es dabei nicht an Bewerbern, sondern an passenden Kandidaten.
  • KI-Einsatz in der IT-Branche zeigt erste Auswirkungen auf den Stellenmarkt.
  • Das Fähigkeitenprofil für IT-Fachkräfte erweitert sich um KI-Kenntnisse, verlangt aber vor allem auch Kommunikationsfähigkeit und Kundenverständnis.

Aachen, 20. April 2026 – Noch vor drei Jahren war der Fachkräftemangel die größte Herausforderung für die deutsche IT-Branche. Die aktuelle Umfrage des Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) zur Fachkräftesituation in kleinen und mittleren IT-Unternehmen (IT-KMU) zeigt: Die Fachkräftelücke ist schmaler geworden, hat sich aber nicht geschlossen. Die schwierige Wirtschaftssituation stellt KMU vor eine Herausforderung, die die Suche nach Fachkräften in den Hintergrund rücken lässt. Gleichzeitig zeigt der Einzug von KI in die IT-Branche erste Auswirkungen auf dem IT-Stellenmarkt.

„Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass der Fachkräftemangel, der lange ein so enormes Problem für die deutsche IT-Wirtschaft war, keinesfalls langfristig gelöst wurde. Vielmehr wird er aktuell durch unsere schwächelnde Konjunktur überdeckt, wird aber spätestens durch den demographischen Wandel später zurückkehren“, ordnet Dr. Oliver Grün, Präsident des BITMi, die Umfrageergebnisse ein, „Für den Wirtschaftsstandort Deutschland bleibt eine starke Digitalwirtschaft aber entscheidend, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Und hier ist der IT-Mittelstand entscheidend, denn er macht die Mehrzahl der Arbeitsplätze und rund die Hälfte des Marktvolumens in der deutschen IT-Branche aus. Damit er dieses Potenzial weiterhin ausschöpfen kann, braucht es jetzt die richtigen politischen Impulse.“

Vom Fachkräfte- zum Konjunkturproblem – welche Rolle spielt KI?

Ende 2022 sahen noch knapp über 80 Prozent der IT-Mittelständler den Fachkräftemangel als größte Herausforderung. Anfang dieses Jahres waren es nur noch 25 Prozent. Stattdessen wird nun vor allem die wirtschaftliche Lage als Problem wahrgenommen, so 77 Prozent der Unternehmen. Auch bei den offenen Stellen zeigt sich eine deutliche Veränderung: Der Anteil der Unternehmen, bei denen mehr als 10 Prozent der IT-Stellen unbesetzt sind, hat sich seit 2023 fast halbiert. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen ohne unbesetzte Stellen nahezu verdoppelt. Das zeigt die aktuelle Umfrage zum IT-Fachkräftemangel.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Faktoren wider, die laut der aktuellen Umfrage die Verfügbarkeit von IT-Stellen in den Unternehmen beeinflussen. Am häufigsten nennen die Befragten wirtschaftliche Unsicherheit (45 Prozent) und Budgetkürzungen bei Kunden (37 Prozent). Danach folgen interne Umstrukturierungen (26 Prozent). Gleichzeitig spielt auch Künstliche Intelligenz (KI) eine wachsende Rolle: 24 Prozent der Unternehmen geben Effizienzgewinne durch KI als Faktor an. Außerdem sagen 37 Prozent, dass Kenntnisse im Umgang mit KI eine Fähigkeit sind, die ihnen bei IT-Fachkräften wichtig ist. Damit sind KI-Kenntnisse gleichauf mit klassischen Programmierkenntnissen.

Balkendiagramm zur Frage "Welche Faktoren bestimmen aktuell die Verfügbarkeit von IT-Stellen in Ihrem Unternehmen?" Die Balken sind: wirtschaftliche Unsicherheit im eigenen Unternehmen 45% Budgetkürzungen bei Kunden 37% Umstrukturierung im eigenen Unternehmen 26% Effizienzgewinne durch KI 24% Outsourcing/Nearshoring von IT-Leistungen 3% Sonstige 11%; n=38 (Mehrfachauswahl möglich)

 

„KI kann zu einer enormen Effizienzsteigerung in der IT-Branche, insbesondere in der Softwareentwicklung, führen. Hier liegt echtes Potenzial, das noch mehr IT-Unternehmen fundiert einsetzen müssen, um international mitzuhalten. Außerdem brauchen wir in Zukunft mehr Softwarearchitekten als Softwareentwickler, denn die Arbeit des Code Schreibens wird zunehmend durch die KI übernommen“, erklärt Grün.

Suche nach geeigneten Fachkräften bleibt Herausforderung

Trotz des Rückgangs unbesetzter Stellen schätzen rund 40 Prozent der Befragten die Verfügbarkeit von IT-Fachkräften weiterhin als schwierig oder sehr schwierig ein. Dabei geht es offenbar weniger um die reine Anzahl an Bewerbern, sondern vielmehr um deren Passgenauigkeit.

Mit deutlichem Abstand nennen die Unternehmen vor allem unterschiedliche Vorstellungen bei Gehältern (66 Prozent) und Qualifikationen (56 Prozent) als wichtigste Einflussfaktoren. Aspekte der tatsächlichen Verfügbarkeit spielen hingegen eine nachgeordnete Rolle: Eine regional begrenzte Verfügbarkeit nennen 29 Prozent, den demografischen Wandel 24 Prozent. Auch die internationale Konkurrenz durch Remote Work ist mit 17 Prozent vergleichsweise weniger bedeutend. Nur jeweils 7 Prozent nennen Teilzeitarbeit, geringe Absolventenzahlen oder eine niedrige Erwerbsbeteiligung bestimmter Gruppen als relevant.

Balkendiagramm zur Frage "Welche Faktoren beeinflussen aus Ihrer Sicht aktuell die Verfügbarkeit von IT- Fachkräften?" Die Balken sind: Diskrepanz bei den Gehaltsvorstellungen 66% Diskrepanz bei den Qualifikationsanforderungen 56% regional begrenzte Verfügbarkeit 29% demografischer Wandel 24% internationale Konkurrenz durch Remote-Work 17% Teilzeiterwerb 7% zu geringe Absolventenzahlen in IT ​Studiengängen/Ausbildung 7% zu geringe Erwerbsbeteiligung bestimmter Gruppen (z. B. ​Frauen, Ältere) 7% Sonstige 17%; n=41 (Mehrfachauswahl möglich)

„Die Diskrepanz entsteht nicht, weil es zu wenige IT-Fachkräfte gibt, sondern weil Angebot und Nachfrage strukturell aneinander vorbeilaufen. Unternehmen suchen hochspezialisierte Profile mit sofortigem Impact, während Kandidaten ihre Marktposition – getrieben durch Knappheit, Remote-Optionen und internationale Vergleichbarkeit – selbstbewusster bepreisen. Gleichzeitig entwickeln sich Technologien schneller als klassische Qualifikationsprofile“, erklärt Albert Vallendar, Sprecher der BITMi-Fachgruppe Bildung. Fachkräfte. Arbeitswelten.

Was suchen Unternehmen?

Unternehmen suchen derzeit vor allem nach Fachkräften in klassischen und zugleich strategisch wichtigen IT-Rollen. Besonders gefragt sind IT-Support und Systemadministration (jeweils 31 Prozent), dicht gefolgt von IT-Projektmanagern bzw. Product Ownern (29 Prozent) sowie IT-Security-Spezialisten (24 Prozent).
Bei den geforderten Kompetenzen stehen nicht nur technische Fähigkeiten im Vordergrund, sondern vor allem auch soziale und kommunikative Aspekte. An erster Stelle stehen Kommunikationsfähigkeit und Kundenverständnis (68 Prozent), gefolgt von Deutschkenntnissen (54 Prozent) und Wissen im Bereich IT-Security (49 Prozent). Ergänzend dazu werden Kenntnisse in Software- und Cloud-Architektur (39 Prozent bzw. 37 Prozent) sowie klassische Programmierfähigkeiten gleichauf mit KI-Kenntnissen (beide 37 Prozent) häufig genannt.

Balkendiagramm zur Frage "Welche Fähigkeiten sind für Sie besonders wichtig bei IT-Fachkräften?" DIe Balken sind: Kommunikation & Kundenverständnis 68% Deutschkenntnisse 54% IT-Security 49% Software-Architektur 39% Klassische Programmierkenntnisse 37% KI-Nutzung und Prompting 37% Cloud-Architekturen 37% Branchenwissen 29% Agile Methoden 15% Englischkenntnisse 15% Sonstige 7%; n=41 (Mehrfachauswahl möglich

„Insgesamt zeigt sich, dass Unternehmen gezielt nach hochperformanten Generalisten suchen – Fachkräfte, die nicht nur technologisch exzellent sind, sondern ebenso souverän intern wie extern auftreten, komplexe Inhalte verständlich vermitteln und aktiv zur Kundenentwicklung beitragen“, so Vallendar, „Die Diskussion, ob Programmieren oder KI wichtiger ist, greift also zu kurz. Der eigentliche Engpass sind Menschen, die Technologie verkaufen, erklären und beim Kunden verankern können. Genau diese hybriden Rollen treiben aktuell den Markt – und genau dort fehlt es am meisten.“

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