Lydia Schauß Keine Kommentare

Im Rahmen des Projektes FEMtential wurden Interviews mit Männern geführt, die sich für Frauen in der IT und Chancengleichheit engagieren, bestehende Strukturen hinterfragen sowie den kulturellen Wandel vorantreiben und als Changemaker hier von Ihren Erfahrungen berichten. Hier berichtet Frank Lagemann von der GreenGate AG

CHANGEMAKER-STECKBRIEF:

Name: Frank Lagemann

Position: Vorstand und Gründer

Unternehmen: GreenGate AG

Branche: Die GreenGate AG entwickelt seit mehr als 20 Jahren Softwarelösungen für Workforce Management, Instandhaltung oder Asset Management.

Standort: Windeck, NRW

Beschäftigte: ca. 50 Beschäftigte

 

Motivation, sich für Chancengleichheit zu engagieren:
„Als wir gegründet haben, waren wir sechs Männer – mit unserer ersten weiblichen Auszubildenden hat sich das Betriebsklima spürbar verändert, und zwar positiv. Grundsätzlich mache ich ohnehin keine großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Gerade bei uns auf dem Land ist die Auswahl an Fachkräften nicht so groß. Da können wir die Hälfte der Menschheit nicht außen vorlassen. Uns liegt daran, die jungen Leute, Männer wie Frauen, in ihrem Übergang zur Familie zu unterstützen. Dann wird meist auch die Bindung zur Firma stärker.“

Standortvorteil Schule: Tut sich was bei der Elternzeit?
Die Veränderungen bei der Elternzeit halten sich noch in Grenzen. Die Erziehungszeiten werden meistens und auch länger von Frauen genommen. Aber der eine oder andere Mann macht das auch. Wir haben hier auch ein Ehepaar mit kleinem Kind, die sich abwechseln und das selbstständig organisieren. Das geht auch ganz gut. Die Gemeinde Windeck hat gut 20.000 Einwohner, im Ortsteil Herchen mit ca. 1.000
Einwohnern gibt es einen Kindergarten und alle Schulformen direkt am Ort. Durch die Schulen gibt es mehr Schüler als Einwohner. Das ist natürlich ein Standortvorteil für Familien. Ich selbst habe auch davon profitiert damals, als wir gegründet haben. Ich konnte quasi immer mit den Kindern zur Arbeit gehen, das fand ich schon ganz nett.“

Nachwuchsarbeit und Bindung von Mitarbeitenden:
„Wir versuchen eng mit den Schulen zusammenzuarbeiten. Mittlerweile kennen uns die Schulen, und darüber auch die Schülerinnen und Schüler. Wir bieten viele Schülerpraktika hier an, dadurch bleibt der ein oder andere zur Ausbildung oder zum Studium im Unternehmen hängen. So können wir die Lehrstellen mittlerweile meist früh besetzen, ein großer Vorteil. Man kann auch im Anschluss an die Ausbildung hier im Unternehmen studieren. Wir beteiligen unsere Beschäftigten auch am Unternehmen. Wir sind eine kleine AG und können Mitarbeitende so über Aktien beteiligen. Das ist dann auch noch mal eine andere Motivation, die zu einer langen Betriebszugehörigkeit führt.“

Über Schulpraktika und Zutrauen von Mädchen:
„Wir sind in Schülerprojekten und im Informatikunterricht oft über Schulprojekte, die wir anbieten, mit involviert. Aber wir stellen auch immer wieder fest, dass da die Mädels eindeutig unterrepräsentiert sind. Da gibt es an den Schulen noch wirklich Handlungsbedarf.“

So bereichern weibliche Fachkräfte die IT:
„Es herrscht ein anderes Kommunikationsklima, sowohl intern als auch zum Kunden. Es läuft entspannter und lösungsorientierter ab. Das ist der Unterschied, den man direkt feststellt. Fachlich ist da kein Unterschied zu merken.“

Ein Wunsch an Frauen in der IT:
„Wir haben durch unser Wachstum eine neue Hierarchiestufe eingeführt – Teamleitungen. Von vier Positionen sind drei mit Frauen besetzt, alle in Teilzeit. Das läuft gut, aber ich merke: Frauen trauen sich solche Rollen oft nicht direkt zu. Da muss man öfter nachhaken, ermutigen, dranbleiben. Ich würde mir wünschen, dass da mehr Experimentierfreude da ist. Frauen haben oft große Angst vor dem Scheitern,
aber Scheitern gehört dazu – das ist nicht schlimm. Fehler passieren, das ist ganz normal im Job. Männer gehen da oft lockerer rein.“