Gleiche Ziele, neue Wege: Führung im Generationenwechsel
In vielen Familienunternehmen steht aktuell ein Generationenwechsel an. Ein wesentlicher Treiber dafür ist der demografische Wandel: eine große Zahl von Unternehmerinnen und Unternehmern erreicht in den kommenden Jahren das Rentenalter, während gleichzeitig die nächste Generation bereitsteht, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Prozess geht weit über die reine Übergabe von Verantwortung hinaus. Er betrifft ebenso die Führung, die Zusammenarbeit im Team und die Frage, wie Veränderung aktiv gestaltet wird. Zwar verfolgen alle Beteiligten dasselbe Ziel, das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln, doch im Alltag zeigen sich unterschiedliche Vorstellungen davon, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Gleichzeitig verändern sich Arbeitsweisen, Erwartungen und Führungsverständnis deutlich. Flexible Arbeitsmodelle, digitale Zusammenarbeit und neue Formen der Teamorganisation treffen auf gewachsene Strukturen und langjährige Erfahrung. Daraus ergeben sich spürbare Reibungen.
Gerade darin liegt eine zentrale Herausforderung, die zugleich eine oft unterschätzte Chance für das Unternehmen birgt. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt das mittelständische IT-Familienunternehmen GORISCON GmbH aus Rosenheim. Das Unternehmen wurde von der Elterngeneration gegründet und über viele Jahre aufgebaut. Bereits in den vergangenen Jahren haben die Kinder aktiv im Unternehmen mitgewirkt und dessen Weiterentwicklung maßgeblich mitgestaltet. Die Nachfolge wurde darauf aufbauend über einen längeren Zeitraum vorbereitet und Anfang 2026 final vollzogen. Seitdem führen die Geschwister Mathias Neuwert und Veronika Munninger das Unternehmen gemeinsam, nachdem sie die Verantwortung von ihren Eltern Margot und Thomas Neuwert übernommen haben. Die Eltern sind weiterhin im Unternehmen tätig, jedoch nicht mehr in der operativen Steuerung, sondern in einer fachlich unterstützenden Rolle. Die Ziele sind für alle Beteiligten identisch: Stabilität, Weiterentwicklung und nachhaltiger Unternehmenserfolg. Unterschiede zeigen sich jedoch vor allem in der Herangehensweise. So ist zum Beispiel die erfahrene Generation dabei stärker von Verlässlichkeit, Präsenz und bewährten Strukturen geprägt. Die jüngere Generation bringt ergänzend neue Perspektiven in Bezug auf Arbeitsmodelle und Führung ein.
Besonders deutlich werden die Unterschiede in der Ausführung bei der Gestaltung der Zusammenarbeit. Während die ältere Generation auf feste Kernarbeitszeiten und eine stärkere Präsenz im Unternehmen setzte, entschied sich die neue Führung bewusst für flexiblere Modelle. Das Ergebnis: Heute arbeitet das Team mit Rahmen- statt Kernarbeitszeiten, einem festen gemeinsamen Präsenztag pro Woche und einem
hohen Anteil an mobilem Arbeiten und verbindet damit bewusst das Beste aus beiden Welten. Solche Unterschiede führten zunächst zu Reibung – was jedoch wenig überrascht, da sie nicht aus unterschiedlichen Zielen, sondern aus unterschiedlichen Prägungen entstehen. Dabei wird deutlich, dass sich die Unterschiede nicht nur in der Gestaltung der Zusammenarbeit zeigen, sondern auch im grundsätzlichen Unternehmensführungsverständnis.
Die ältere Generation bringt jahrzehntelange Erfahrung mit; insbesondere im Aufbau von langjährigen Kundenbeziehungen, in der Steuerung von unternehmerischen Risiken und im Umgang mit herausfordernden Situationen wie zum Beispiel Wirtschaftskrisen. Dieses Erfahrungswissen haben Margot und Thomas Neuwert gezielt an ihre Kinder weitergegeben, denn dieses bildet heute eine wichtige Grundlage für Stabilität, fundierte Entscheidungen und trägt maßgeblich zu einem nachhaltigen Risikomanagement bei. Die jüngere Generation greift diese Werte und Erfahrungen bewusst auf, hinterfragt jedoch gleichzeitig bestehende Strukturen, verlagert Verantwortung und Eigenorganisation stärker in die Teams, gestaltet Arbeitsmodelle flexibler und richtet Entscheidungen konsequent an Ergebnissen und Prioritäten aus.
Wie die nächste Generation diesen Übergang wahrnimmt, lässt sich treffend zusammenfassen:
„Das über Jahrzehnte aufgebaute Erfahrungswissen ist für Mathias und mich ein unschätzbarer Wert. In Kombination mit neuen Perspektiven entsteht daraus ein echter Vorteil. Sowohl in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden als auch als Arbeitgeber. Ein Unternehmen in dieser Form weiterzuführen und weiterzuentwickeln, ist für uns nicht selbstverständlich, sondern eine große Verantwortung und zugleich eine besondere Ehre.“, sagt Tochter Veronika. So entstehen aus dem Zusammenspiel von Erfahrung und neuen Impulsen konkrete Ansätze für Modernisierung und Weiterentwicklung. Die eigentliche Stärke liegt darin, diese Perspektiven nicht gegeneinander auszuspielen, sondern bewusst miteinander zu verbinden. Genau hier verändert sich Führung. Es geht nicht mehr darum, welche Sichtweise sich durchsetzt. Entscheidend ist, beide Denkweisen sinnvoll zu integrieren. Dafür braucht es Offenheit, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, die eigene Perspektive zu hinterfragen. Im beschriebenen Beispiel wurde dieser Prozess aktiv gestaltet. Entscheidungen wurden gemeinsam diskutiert und unterschiedliche Meinungen zugelassen. Ergänzend dazu spielte die Bereitschaft zum Kompromiss eine entscheidende Rolle. Es wurde ein gemeinsamer Weg entwickelt, der bewährte Struktur und Flexibilität miteinander verbindet.
Für Unternehmen, die vor einem ähnlichen Wandel stehen, lassen sich daraus klare Erkenntnisse ableiten. Unterschiede zwischen Generationen sind unvermeidbar. Genau darin liegt ihr Potenzial. Voraussetzung ist, diese Unterschiede offen anzusprechen und nicht vorschnell zu bewerten. Ebenso zeigt sich, dass erfolgreiche Nachfolgeprozesse Zeit benötigen. Ein schrittweiser Übergang schafft Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. Gerade in dieser Phase entsteht oft der größte Mehrwert, weil Erfahrung und neue Ansätze unmittelbar aufeinandertreffen. Nicht zuletzt spielt die Einbindung der Mitarbeitenden eine zentrale Rolle, denn sie erleben den Wandel mit und tragen zum Gelingen bei. Die Nachfolger von Margot und Thomas Neuwert sind sich einig: der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt die Haltung. „Erfolgreich wird der Generationenwechsel dann, wenn keine Seite versucht, sich durchzusetzen. Entscheidend ist, dass beide Generationen bereit sind, voneinander zu lernen und gemeinsam einen neuen Weg zu gestalten.“, so Mathias Neuwert.
Unternehmensprofil
GORISCON GmbH entwickelt mit „WeGRC“ eine integrierte Plattform für Governance, Risk und Compliance, die Managementsysteme wie Informationssicherheit, Datenschutz, BCM, Qualitätsmanagement u.v.m., auf einer gemeinsamen Datenbasis konsolidiert. Damit wird Unternehmen ermöglicht, regulatorische Anforderungen strukturiert umzusetzen, ein systematisches Risikomanagement zu etablieren und eine belastbare Grundlage für Zertifizierungen zu schaffen.
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