Isabel Weyerts

Wie ein deutscher Managed Service Provider seine komplette Cloud-Infrastruktur in nur zwölf Monaten von VMware auf OpenStack umstellte – und was daraus für jedes Unternehmen folgt, das heute noch von Hyperscalern und US-Diensten abhängt.

Unstete wirtschaftliche und politische Marktbedingungen setzen deutsche IT-Unternehmen zusehends unter Druck. Gleichzeitig zeigen wirtschaftliche Entscheidungen amerikanischer Unternehmen, wie die der Firma Broadcom, die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. UPONU zeigt, wie mit einer klaren Orientierung zu Open Source Lösungen, echte Souveränität gelebt werden kann.

Als Broadcom kürzlich seine neue Kostenstruktur vorstelle, ging ein Beben durch den Markt der Bertreiber von Cloud Stacks. VMware war lange die Standardlösung in diesem Sektor. Nach der Übernahme durch Broadcom und dem Wandel, weg von unbefristeten Lizenzen (Perpetual Licenses), hin zu gebündelten Abonnements mit deutlich höheren Einstiegspreisen und verändertem Funktionszuschnitt, führte dies von plötzlichen Preiserhöhungen von 800% und mehr. Vor allem aber machte dieses Ereignis schlagartig ein massives Risiko sichtbar: die tiefe Abhängigkeit von einer einzigen, proprietären Plattform. Für UPONU war die Frage war nicht länger, ob eine Alternative sinnvoll wäre, sondern wie schnell sie sich umsetzen ließe.

Wenn sich die Rahmenbedingungen einseitig ändern

Das Szenario eines „Vendor Lock-in“ wird selten als akutes Risiko wahrgenommen. Eine etablierte Plattform funktioniert, das Team kennt die Werkzeuge, Prozesse sind eingespielt, die Abhängigkeit bleibt unsichtbar. Umso schwerwiegender die Situation, wenn das Risiko plötzlich zur Realität wird. Wenn der Anbieter die Bedingungen einseitig verändert, beispielsweise bei Preisen, Lizenzmetriken, Produktbündelung, Support-Konditionen oder der Vertragslaufzeit, kann das die Planung eines Unternehmens massiv in Schieflage bringen. Und genau das ist im Zuge der VMware-Übernahme für einen großen Teil des Marktes eingetreten: Bei vielen Service Providern wandelte sich ein stabiles Geschäftskonzept plötzlich in ein defizitäres Geschäft. Auch für viele KMUs, die ihre betriebsinterne Virtualisierung auf VMware realisiert haben, explodierten die Kosten schlagartig.

Das eigentliche Problem ist aber nicht nur die Technologie, sondern insbesondere die Asymmetrie der Verhandlungsposition: Wer seine gesamte Wertschöpfung auf einer proprietären Basis betreibt, hat im Konfliktfall kaum Spielraum. Ein kurzfristiger Wechsel ist technisch aufwendig, organisatorisch riskant und finanziell schwer kalkulierbar. Diese fehlende Ausweichoption ist der Kern des Lock-in und verwandelt eine reine Lieferantenbeziehung in eine strukturelle Abhängigkeit und bringt den Anbieter in eine quasi-monopolistische Position.

Proprietäre Abhängigkeit gegenüber souveräner Offenheit – die strukturellen Unterschiede auf einen Blick. © 2026 UPONU GmbH

Proprietäre Abhängigkeit gegenüber souveräner Offenheit – die strukturellen Unterschiede auf einen Blick. © 2026 UPONU GmbH

Für UPONU kam ein zweiter Aspekt hinzu: Als Unternehmen mit hoher Affinität zu Open Source Lösungen, war die Abhängigkeit von einem einzelnen, amerikanischen Anbieter schon lange ein Dorn im Auge. Weshalb bereits seit geraumer Zeit nach Alternativen auf Basis von Open Source gesucht wurde.

Die Entscheidung: OpenStack auf Basis des Sovereign Cloud Stack

UPONU entschied sich bewusst gegen einen erneuten Wechsel von einem proprietären Anbieter zum nächsten – und damit gegen die Wiederholung desselben Abhängigkeits-Musters. Stattdessen fiel die Wahl auf OpenStack, das etablierte Open-Source-Framework für den Betrieb von Cloud-Infrastrukturen. Offene Standards bedeuten in diesem Kontext mehr als nur einsehbaren Quellcode: Sie sichern Portabilität, verhindern die Bindung an die Preispolitik eines einzelnen Herstellers und geben die strategische Kontrolle über die eigene Infrastruktur zurück.

Als Bauplan diente die Referenzarchitektur des Sovereign Cloud Stack (SCS) – eine europäische Open-Source-Initiative, die einen standardisierten, souverän betreibbaren Aufbau für Cloud-Infrastrukturen definiert. SCS liefert nicht nur eine technische Blaupause, sondern einen erprobten, gemeinschaftlich gepflegten Standard, der Interoperabilität zwischen Betreibern ermöglicht und sich an den Anforderungen an digitale Souveränität in Deutschland und Europa orientiert. Für UPONU bedeutete das: nicht jede Entscheidung von Grund auf selbst treffen zu müssen, sondern auf einem konsistenten, zukunftsfähigen Fundament aufzubauen.

Der Anspruch war dabei klar umrissen: eine Plattform, die denselben Funktionsumfang und dieselbe Betriebsreife bietet wie die abgelöste Umgebung, ohne die Abhängigkeit von einem einzelnen Lizenzgeber – und die zugleich anschlussfähig an die Idee eines europäischen, souverän betriebenen „Deutschland-Stack“ ist.

Zwölf Monate unter Druck

Eine vollständige Infrastruktur-Migration ist unter komfortablen Bedingungen schon anspruchsvoll. Unter Zeitdruck – bevor neue Lizenzkosten dauerhaft wirksam werden – wird sie zur Belastungsprobe für Technik, Organisation und Finanzplanung gleichermaßen. UPONU stellte die gesamte Rechenzentrums-Infrastruktur innerhalb von zwölf Monaten um. Drei Dimensionen prägten das Projekt:

Technisch

Virtualisierungs-Schichten, Netzwerk- und Storage-Konzepte, Backup- und Hochverfügbarkeitsmechanismen mussten auf der neuen Basis nachgebildet und in vielen Fällen neu gedacht und entwickelt werden. Hunderte virtuelle Maschinen waren zu migrieren, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. OpenStack folgt anderen Konzepten als eine klassische Hypervisor-Umgebung; eine reine Eins-zu-eins-Übertragung war weder möglich noch sinnvoll. Gefragt war eine saubere Neukonzeption von Automatisierung, Netzsegmentierung und Betriebsabläufen entlang der SCS-Referenz. Dazu hat UPONU ein eigenes Migrationstool entwickelt.

Organisatorisch

Eine neue Plattform verlangt neues Wissen. Betriebsteams mussten Kompetenzen in OpenStack und den zugehörigen Werkzeugketten aufbauen, Runbooks und Monitoring neu schreiben, Verantwortlichkeiten neu ordnen. Parallel lief der reguläre Betrieb weiter – inklusive der Verpflichtungen gegenüber Kunden. Migration im laufenden Geschäft bedeutet, zwei Welten zugleich zu beherrschen, bis die alte Umgebung endgültig abgeschaltet werden kann.

Finanziell

Dem absehbaren Anstieg der Lizenzkosten standen die einmaligen Investitionen der Migration gegenüber – Personal, Projektaufwand, paralleler Doppelbetrieb über eine Übergangsphase. Entscheidend war hier weniger die kurzfristige Ersparnis als die langfristige Planbarkeit: eine Kostenstruktur, die nicht mehr von den strategischen Interessen eines einzelnen Anbieters abhängt und sich verlässlich kalkulieren lässt.

Dass die Umstellung in diesem Zeitfenster gelang, lag nicht zuletzt an der konsequenten Orientierung an einem etablierten Standard statt einer Eigenkonstruktion. Der SCS-Ansatz reduzierte Designrisiken und beschleunigte Entscheidungen, weil viele Architekturfragen bereits beantwortet waren.

Datensouveränität als operative Notwendigkeit

Datensouveränität wird häufig als politische Forderung behandelt – als Frage nationaler oder europäischer Eigenständigkeit. Aus Betreibersicht ist sie zuallererst etwas anderes: eine operative Notwendigkeit. Wer kontrolliert, auf welcher Plattform Daten liegen, nach welchen Regeln sie verarbeitet werden und wer im Ernstfall den Zugriff bestimmt, hält die Kontrolle über die eigene Handlungsfähigkeit.

Der VMware-Fall zeigt diesen Zusammenhang exemplarisch: Eine Veränderung in der Eigentümer- und Lizenzstruktur eines außereuropäischen Anbieters kann Geschäftsmodelle hierzulande unmittelbar unter Druck setzen. Souveränität heißt in diesem Sinne nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit – die Fähigkeit, Anbieter zu wechseln, Betriebsmodelle anzupassen und Daten dort zu halten, wo es rechtlich und strategisch geboten ist. Offene Standards wie OpenStack und SCS sind dafür die technische Voraussetzung, weil sie Portabilität erst möglich machen.

Wichtige Erkenntnisse für den Mittelstand

Die Erfahrung von UPONU lässt sich auf viele Organisationen übertragen, die heute noch in vergleichbaren Abhängigkeiten stehen. Vier Konsequenzen stechen hervor:

  • Lock-in bewerten, bevor er akut wird. Die zentrale Frage lautet nicht „Funktioniert die Plattform?“, sondern „Was kostet uns ein Wechsel – und wie schnell wäre er möglich?“. Wer diese Antwort nicht kennt, kennt sein Risiko nicht.
  • Offene Standards als Versicherung verstehen. Portabilität ist kein technisches Detail, sondern eine Verhandlungsposition. Sie wirkt auch dann, wenn man sie nie in Anspruch nimmt.
  • Auf erprobte Referenzen setzen. Ein gemeinschaftlich gepflegter Standard wie der Sovereign Cloud Stack senkt Risiko und Zeitaufwand gegenüber einer Eigenentwicklung erheblich.
  • Souveränität operativ denken. Datenhoheit, Kostenplanbarkeit und Wechselfähigkeit gehören in die Betriebs- und Finanzplanung – nicht nur in Strategiepapiere.

Der Wechsel muss dabei nicht im Alleingang erfolgen. Genau hier setzt das Angebot an, das aus dem eigenen Migrationsweg von UPONU entstanden ist.

Ein Weg in die souveräne Cloud: der infra:u Cloud Stack

Aus der eigenen Migration hat UPONU den infra:u Cloud Stack entwickelt – eine nach dem Sovereign Cloud Stack aufgebaute und damit „Deutschland-Stack“-konforme Cloud-Plattform, die anderen Unternehmen denselben Weg in eine souveräne, europäische Cloud-Umgebung eröffnet, ohne ihn von Grund auf selbst gehen zu müssen. Der Stack ist bewusst auf unterschiedliche Ausgangslagen zugeschnitten und in mehreren Bezugsmodellen verfügbar:

Der infra:u Cloud Stack – eine Plattform, vier Bezugsmodelle. © 2026 UPONU GmbH

Der infra:u Cloud Stack – eine Plattform, vier Bezugsmodelle. © 2026 UPONU GmbH

  • Private Cloud Stack im Rechenzentrum des Kunden – betrieben auf der Hardware des Kunden oder auf Hardware der UPONU, mit voller Datenhoheit vor Ort.
  • Private Cloud Stack im Rechenzentrum der UPONU – auf dedizierter, exklusiv zugeordneter Hardware in deutschen Rechenzentren.
  • Shared Cloud Stack als klassischer Managed Service – als geteilte Plattform für einen schnellen, ressourcenschonenden Einstieg.

In allen Varianten übernimmt UPONU Aufbau und Betrieb des Cloud Stack, unterstützt im Projektmanagement und mit den üblichen Betriebsleistungen wie dem Patch-Management und bietet 24/7-Support. So wird aus der Referenzarchitektur des Sovereign Cloud Stack ein konkret betreibbares Angebot – und aus der Idee digitaler Souveränität eine praktikable Option für Unternehmen, die ihre Abhängigkeit von einem einzelnen proprietären Anbieter beenden wollen.

Die Lehre aus zwölf Monaten Migration lässt sich kompakt zusammenfassen: Souveränität ist eine Frage der Haltung: Wer offene Standards wählt, behält die Kontrolle – auch dann, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

 

Unternehmensprofil

Die UPONU GmbH aus Siegen schafft ein verlässliches Fundament für die digitale Zukunft von Organisationen. Getreu unserem Markenclaim „Echt performant“ entwickeln und betreiben wir souveräne Cloud Infrastruktur und verschlüsselte Kommunikationslösungen. Im Zentrum unserer Arbeit steht dabei die absolute Datensouveränität.

Kontakt

Frank Schmidt
Geschäftsführer
UPONU GmbH
info@uponu.com