Bei den Stadtwerken Flensburg kam zweierlei zusammen: eine abgekündigte Speziallösung für die Netze und ein Kraftwerksbereich, in dem Meldungen und Aufträge ausgedruckt und Checklisten von Hand geführt wurden. Heute arbeiten rund 250 Anwender in Netzen, Service und Erzeugung mit einer gemeinsamen Plattform auf Basis von SAP PM und dem argvis; Maintenance Portal.
Die Stadtwerke Flensburg verwalten in SAP PM rund 500.000 technische Plätze und Equipments, verteilt auf Netzsparten von Fernwärme über Mittel- und Niederspannung sowie Telekommunikation bis zu Gas und Wasser. Die Instandhaltung verteilt sich auf mehrere technische Bereiche, die jeweils eigene Auftrags-, Instandhaltungs- und Meldungsarten sowie Prioritäten nutzten. Diese mussten zunächst harmonisiert werden. Die mobile Lösung SAP MAM deckte die Standardprozesse der Netze ab, war aber technologisch überholt und ließ sich nicht auf Service und Erzeugung ausweiten.
Zwei Systemwelten, ein Prozess
SAP PM war bereits das zentrale Backend in Erzeugung, Service und Netzen und sollte das führende System bleiben. Die Herausforderung bestand darin, dieses Backend nahtlos mit der geografischen Welt zu vernetzen. Im Einsatz sind Smallworld GIS und Lovion Mobile GIS.
Technische Objekte, Meldungen und Geodaten werden heute bidirektional zwischen GIS und SAP synchronisiert, Absprünge nach Lovion funktionieren aus der Anwendung heraus. Eine Meldung entsteht direkt aus der Kartenansicht. Die Anpassungen an den Lovion-Schnittstellen fielen zeitlich mit der Umstellung auf Windows 11 und der Beschaffung neuer Endgeräte zusammen.
„Besonders wichtig war für uns die nahtlose Integration in SAP PM und unsere bestehende GIS-Landschaft“, sagt Jan Sörensen, Consultant Design Digitalisierung bei den Stadtwerken Flensburg. Dass eine einzige Anwendung sowohl klassische Netzprozesse als auch die Anforderungen der Erzeugung abbilden kann, war ein Ausschlusskriterium bei der Auswahl.
Offlinefähigkeit als Ausschlusskriterium
Ein übergeordnetes Ziel des Projekts war, die Qualität der Meldungen durch eine direkte Erfassung vor Ort zu verbessern. Dafür müssen Monteure und Techniker bei ihren Einsätzen unabhängig von der aktuellen Mobilfunkabdeckung verlässlich arbeiten können.
Die uneingeschränkte Offlinefähigkeit war deshalb nicht verhandelbar, neben Bedienbarkeit, Anbindungsmöglichkeiten, nachweisbaren Referenzen und einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Den Ausschlag gab schließlich das Gesamtkonzept des argvis; Maintenance Portals in Verbindung mit der Bereitschaft, kundenspezifische Anforderungen umzusetzen.
„Die Offlinefähigkeit war für uns ein entscheidender Faktor“, so Christoph Clausen, Arbeitsvorbereiter in der Maschinenhauswerkstatt der Stadtwerke Flensburg. „Dass unsere Mitarbeitenden nun auch ohne stabile Internetverbindung Meldungen, Stammdaten und digitale Checklisten bearbeiten können, hat die Abläufe im Feld extrem verlässlich gemacht.“

Bild 1: Andreas Rieper, Thorsten Weber und Christoph Clausen, Stadtwerke Flensburg
Was sich im Alltag verändert hat
In Service und Erzeugung sind papierbasierte Rundgänge und Excel-Listen entfallen. Die Qualität der Schadens- und Instandhaltungsmeldungen hat sich signifikant verbessert. Dokumente, Fotos, aktuelle Messwerte, Historien und GIS-Daten stehen direkt an der Anlage auf dem mobilen Gerät zur Verfügung. Die Vermeidung von Medienbrüchen sorgt für reibungslose Übergaben zwischen Außendienst und Leitwarte.
Die Rückmeldungen aus den Fachbereichen fallen durchweg positiv und konstruktiv aus. Auch skeptische Mitarbeitende konnten im Alltag schnell überzeugt werden, da viele Abläufe so intuitiv gestaltet sind, dass sie fast ohne vorherige Schulung bedient werden können.
Was IT-Verantwortliche daraus mitnehmen können
Die Einführung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem argvis-Team, eingebunden waren vor allem die technischen Bereiche und die Digitalisierungsabteilung. Sie war detailreicher und zeitintensiver als im Vorfeld angenommen, besonders die Testphasen erforderten Detailarbeit. Da einige Fachbezeichnungen und Formatvorgaben vom SAP-Standard abweichen, mussten Prüfungen, Formate und Wertelisten nachgearbeitet werden. Hinzu kamen die Sicherheitsanforderungen einer modernen Webanwendung.
Den Kollegen in anderen Versorgungsunternehmen raten die Flensburger Experten abschließend: „Man sollte bei einem solchen Digitalisierungsprojekt, das parallel zum normalen Tagesgeschäft läuft, unbedingt ausreichend Zeit und Freiräume einplanen.“
Geplant ist der Ausbau weiterer Anwendungsfälle: die vollständige Integration digitaler Checklisten, die Auswertung von Rundgängen und die Analyse der Anlagenverfügbarkeit.
Stadtwerke Flensburg GmbH
Die Stadtwerke Flensburg versorgen rund 60.000 Haushalte mit Strom, Fernwärme, Wasser und Internet. Bundesweit vertrauen über 300.000 Kunden auf ihre Angebote. Mit einem Umsatz von 838 Mio. Euro und 797 Mitarbeitenden zählt das Unternehmen zu den größten Arbeitgebern der Region. Über 90 Prozent der Flensburger Haushalte werden mit Fernwärme versorgt. Bis 2035 will der Versorger seine Wärmeerzeugung dekarbonisieren und investiert dafür rund 400 Mio. Euro. Als hundertprozentige Tochter der Stadt Flensburg steht das Unternehmen für Versorgungssicherheit und Lebensqualität.

